# Wednesday, 10 March 2010

Nachdem ich gestern in meiner Kategorie "Ich lese derzeit" den Blogartikel 'Sehr geehrter Herr Maggi' veröffentlicht hatte, habe ich nicht nur sehr viele Fragen bekommen, ob und wann ich das erwähnte Schreiben hier veröffentlichen werde, sondern ich habe auch eine ganz tolle Erfahrung gemacht.

Nach dem gestern veröffentlichten Blogeintrag und meinem Hinweis, ich würde mal beim Verlag Knaur erfragen, ob ich aus dem Buch "Sehr geehrter Herr Maggi" den Briefwechsel zwischen Herrn Sprenzinger und Microsoft hier veröffentlichen darf, denn das Urheberrecht nehme ich selbstverständlich sehr ernst, habe ich wirklich überraschend einen tollen Dialog geführt!

Mit Frau Barbara Plückhahn und Frau Ira Zeitzen aus dem Verlagshause Droemer Knaur, führte ich zwei ganz tolle Telefongespräche. Wirklich ganz toll, wie Sie sich um Ihre Kunden kümmern. Kompliment und Respekt. Hätte mit allem gerechnet, aber nicht mit Ihnen beiden :-) und Ihrer Freundlichkeit! (Wenn Sie mir die saloppe Formulierung verzeihen bitte.)

Frau Plückhahn vermittelte mich schließlich zum Autor des Buches, Herrn Jürgen Sprenzinger.
Herr Sprenzinger schrieb mir wiederum auch eine ganz herzliche und tolle E-Mail (mit der ich nicht rechnete), in der er mir die Veröffentlichung des Briefwechsel erlaubte.
Weiterhin informierte mich Her Sprenzinger, dass das Kultbuch - das mehr als 500.000 Mal über den Ladentisch ging - mittlerweile sogar als Hörbuch erschienen ist, mit dem Titel 'The Best of Sehr geehrter Herr Maggi' mit einer Auswahl der 15 kultigsten Briefe, worunter sich auch der Microsoft-Brief befindet. Herr Sprenzinger hat dieses Hörbuch besprochen und der Tonträger ist seit 18. Dezember 2009 im Buchhandel erhältlich und auf Bestellung verfügbar.

Weiterhin - das hat mich sehr viel mehr erfreut, gibt es mittlerweile zwei Fortsetzung des berühmten ersten Buches. Einmal wäre da 'Lieber Meister Proper ' sowie 'Sehr geehrter Herr Hornbach: Um ein Haar hätte ich mich bei Ihnen beworben'. Herr Sprenzinger, ich habe ja bald Urlaub... mal schauen wie schnell Amazon liefern kann...

Weiterhin verriet Herr Sprenzinger, dass es im Herbst diesen Jahres ein neues Buch vom ihm erscheinen wird, das Behörden und Verbände auf die Schippe nimmt, für 2011 ist sogar ein neuer "Maggi" geplant, aktualisiert auf die heute Zeit - und da wäre Microsoft auch mal wieder "fällig" ;-), wie Herr Sprenzinger erklärte. Herr Sprenzinger, ich werde jeden(!) Brief und jede(!) E-Mail die ich bekomme kontrollieren - pahh - das ist ja jetzt schon fast eine Herausforderung!

Spaß bei Seite, es hat mich sehr gefreut Frau Plückhahn, Frau Zeitzen und Herr Sprenzinger, mit welcher Leichtigkeit, Freundlichkeit und Heiterkeit wir uns hier bei dieser Angelegenheit ausgetauscht haben. Da mache ich mir jetzt keine Sorgen, Herr Sprenzinger, wenn wir hier im Hause Microsoft wieder mal einen Brief bekommen, er wird sicherlich mit gleicher Freundlichkeit und Heiterkeit aufgenommen werden, da bin ich mir sicher!
Ich danke Ihnen allen!

So - kommen wir zum richtig spaßigen Teil, hier ist der Briefwechsel zwischen Herrn Sprenzinger und Microsoft Deutschland aus dem Jahre 1995:

Download des Briefwechsel:


Briefwechsel direkt zum Nachlesen:
Schreiben an Microsoft:

Jürgen Sprenzinger
Friedenstraße 7a
86179 Augsburg


Fa.
Microsoft GmbH
Edisonstraße 1

85716 München



20. September 1995

Sehr geehrte Damen und Herren,

immer schon wollte ich einen Computer und habe mir nie einen leisten können. Jetzt habe ich ein paar Jahre gespart und bin nun ein sogenannter User. Der Verkäufer hat mir ein Benzium 90 verkauft, der sei sehr schnell, hat er gesagt. Der könnte angeblich schneller rechnen als jeder Taschenrechner.
Aber so schnell braucht der gar nicht sein, weil ich hab ja Zeit genug.
Aber ich schreibe Ihnen deshalb, weil ich Sie wirklich loben muss. Ich habe mir nämlich dieses neue Windows 95 dazu gekauft. Also ich muss Ihnen sagen, das hat mich echt umgehauen. Ja so ein tolles Programm! Es ist wirklich beeindruckend, was Ihrem Chef da alles eingefallen ist. Der Gill Bates ist ein toller Hecht. Der muss ja einen Kopf haben wie ein Elefant. Ja wie kann man sich denn sowas ausdenken? Sagen Sie ihm bitte einen schönen Gruß von mir, wenn Sie ihn sehen. Und sagen Sie ihm, dass ich ein Fan von ihm bin, obwohl er Amerikaner ist. Aber ich bin überhaupt nicht ausländerfeindlich.

Ich war ganz fasziniert, weil man da ja kaum mehr eine Tastatur braucht. Alles läuft da mit dieser Maus. Was mich allerdings verwirrt, ist der Umstand dass dieser Maus zwei Knöpfe hat, wo doch meistens nur der linke davon funktioniert. Ich nehme an, dass der rechte der Reserveknopf ist, falls der linke kaputtgeht. Aber da werd ich schon noch dahinterkommen. Auf dieser Maus steht übrigens auch Microsoft drauf. Und wie viele Fenster man da aufmachen kann! Ich hab zwischenzeitlich schon 8 Fenster auf einmal aufgemacht, und eines war schöner und bunter wie das andere. Ich bin auch draufgekommen, dass man diese Fenster groß und klein machen kann und auf dem ganzen Bildschirm rumfahren kann damit. Das finde ich schon saupraktisch.

Ich habe meinen Computer jetzt zwei Tage und habe mir gedacht, ich schreibe gleich den ersten Brief an Sie, weil das für mich auch eine gute Übung. Ich habe dazu so ein Tintenschreibdruckergerät, der sogar farbig drucken tät, wenn man da eine farbige Tintenhülse reintäte. Der Verkäufer wollte mir eine aufschwätzen. Aber das ist mir momentan zu viel Geld.

Ich nehme an, dass Ihr Chef an diesem Programm weiterprogrammiert und möchte mich schon jetzt vormerken lassen für nächstes Jahr für Windows 96. Bitte senden Sie mir Unterlagen zu. Vielleicht hat Ihr Chef noch andere nette Programme auf Lager, die täten mich auch interessieren, jedenfalls wäre es nett, wenn ich was von Ihnen hören würde.
Ich kauf Ihnen wahrscheinlich auch was ab.

Für Ihre Mühe herzlichen Dank.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Sprenzinger


Schreiben von Microsoft:

Firma
Datentechnik
Herrn Jürgen Sprenzinger
Friedenstraße 7a

86179 Augsburg


Unterschleißheim, 11.10.95
PJ/hae

Ihr Schreiben vom 20.09.95

Sehr geehrter Herr Sprenzinger,

herzlichen Dank für Ihr nettes Schreiben zu Windows 95; es wird meinen Mitarbeitern und mir lange in Erinnerung bleiben, so viel Freude hat es uns bereitet. Wir bekommen täglich Tausende von netten Schreiben, aber Ihres war besonders lieb.

Ich darf Sie im Namen der Microsoft® GmbH nicht nur im Kreis der sogenannten User¹ begrüßen; nein, Ihr Wissen macht es unabdingbar, Sie auch in den elitären Kreis der Microsoft® Insider aufzunehmen. Nur wenigen Menschen ist es vorbehalten, die Wahrheit über unseren Chef zu erfahren: Er heißt nämlich wirklich Gill Bates. Nur durch eine breit angelegte Pressekampagne - Sie können sicherlich nachvollziehen, was die Presse bewirken kann - war es möglich, der Software-Gemeinde vorzugaukeln, dass er Bill Gates heißt. Kann ja auch gar nicht sein, denn sonst wären beide Namen rechtlich geschützt, oder? Wie haben Sie das nur rausbekommen?

Ich soll Sie übrigens recht herzlich von Gill grüßen. Er freut sich über jedes nette Schreiben zu Windows 95, und er möchte auch jedes persönlich beantworten, aber leider sind das halt sehr, sehr viele. Übrigens hat er eigentlich einen normal großen Kopf, obwohl da tüchtig was rein geht. Er ist aber deshalb so erfolgreich, weil da auch ordentlich was raus kommt.

Gill hat sich besonders über Ihre Ausführungen zu Microsoft
® Mouse gefreut - ja, Sie haben recht, es ist die Reservetaste. Es kommt aber noch eine weitere Funktion hinzu. Wenn man öfters zwischen der linken und rechten Maustaste und gleichzeitig zwischen Mittelfinger und Zeigefinger abwechselt, dann kommt es viel seltener zu den in Anwenderkreisen gefürchteten Mausfellfingerentzündungen tbu ². An diesem Problem haben wir unseren Usability-Labs³ jahrelang gearbeitet, und das Ergebnis ist die rechte Schontaste der Maus, in Fachkreisen kurz DRSTDM genannt.

Zum Abschluss möchten wir Ihnen noch einen gesundheitlichen Rat geben. Jetzt, wo es "herbstelt" und der Winter quasi vor dem Windows steht, machen Sie besser nie mehr als 6 Fenster gleichzeitig auf - man holt sich schnell einen Zug.

Weil wir Ihr Schreiben so nett finden, schicken wir Ihnen mit separater Post ein Windows Tm Shirt zu, wir sind sicher, Sie werden viel Freude damit haben.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Jäckels
Director
End-User Sales & Marketing

PS: Bei Ihren Ausführungen zu "Benzium 90" wussten wir lange nicht, was Sie meinen. Aber wir haben es rausgekriegt. Sie meinen sicherlich den Bentzium 19 von Indel. Das haben mir meine Kollegen aus Nürnberg erklärt.

__________________________
¹ = Wer nachweisen kann, dass er mindestens 3 Jahre Windows-Erfahrung hat, den Text des Rolling Stones Songs "Start me Up" auswendig singen und mehr als 12 Fenster gleichzeitig bedienen kann, der wird von Microsoft® vom User zum Power-User befördert. Das ist so wie eine Beförderung vom Gefreiten zum Obergefreiten. Aber ich bin überhaupt kein Militarist! Wer einen richtigen Kurs besucht, der kann sogar zum MCM werden - Microsoft Certified Mouser.
² = to be understood
³ = das sind kleine beheizte Zimmer, wo Anwender u.a. den ganzen Tag auf die Maustasten drücken, um zu sehen, wann die Maus schlapp macht.

 

Ich persönlich finde den Briefwechsel erfrischen nett und wenn man das Buch liest, sieht man, dass die Kolleginnen und Kollegen der Öffentlichkeits- und Kundenzufriendenheits-Abteilungen in ganz Deutschland es nicht immer ganz einfach haben. Schön zu sehen, wie professionell auf der einen und mit welcher Heiterkeit und Spaß auf der anderen Seite hier geantwortet wird. Respekt!

Weiterführende Links:

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